Zum 1. Advent öffnete in Halle die Hall-Med ihre Pforten für
tauchmedizinisch interessierte Taucher und Mediziner. Wie auch bei den letzten
beiden Veranstaltungen konnte das diesjährige Seminar wieder durch
eine gute Besetzung und interessante Vorträge punkten. Dies wird umso
wichtiger, da der Markt der tauchmedizinischen Seminare in den letzten Jahren
stetig gestiegen ist.
160 Teilnehmer waren erschienen, um in 15 Vorträgen möglichst viel
Informationen für die Seminargebühr von 90,00 Euro zu erhalten -
und als Bonbon am Samstag einen entspannten Abend zu genießen.
Die Saxofuns als musikalischer Hintergrund für einen gelungenen Abend.
Im Foyer wurden während des Seminars Kreislaufgeräte durch die
RAB vorgestellt und erklärt. Der VDST offerierte umfangreiche
Literatur zum Thema Tauchen.
Die einzelnen Vorträge werden im Folgenden nur sehr kurz angerissen,
die kompletten Inhalte stehen in Kürze als CD beim VDST zur Verfügung und können
dort gegen ein geringes Entgelt bezogen werden.
Die Veranstaltung
Pünktlich um 10:00 Uhr wurde das Programm von B. Braunroth und Dr Hanjo
Roggenbach eröffnet.
Der Einstiegsvortrag vom Organisator B. Braunroth:
- Biomechanische Aspekte der Wirbelsäule unter Alltags-
und Tauchsport spezifischen Belastungen
Die Ausführungen überraschten sichtlich einige Teilnehmer. Unter
anderem wurde erläutert, dass das Tragen von z.B. 2 10l Flaschen
eine Belastung von 26 kg und beim tragen nur einer Flasche eine Belastung
von 43 kg auf die Wirbelsäule drückt. Der nicht ganz ernst gemeinte
Lösungsvorschlag lag in der Weitergabe der Einzelflasche an seinen
Buddy, der somit dann tatsächlich 17 kg weniger Belastung erfährt. Das Stichwort zum Thema sind die Hebelkräfte - eine gleichseitige Belastung der Wirbelsäule ist weniger belastend als einseitige Kräfte.
Der zweite + dritte Vortrag waren eine gelungene Kombination über:
- die Kältewirkung beim Tauchen aus medizinischer/physiologischer
Sicht von
von Dr. Tim Piepho
sowie:
- Kälteschutz beim Tauchen
von Dr. rer. Nat. Dietmar Berndt
Dr. Piepho erläuterte die Einteilung – Symptome und Auswirkungen einer
Hypothermie und konnte unter anderem anhand einer Versuchsreihe mit Ratten deutlich
machen, dass das Absinken der Körpertemperatur um nur 3 Grad Celsius eine Halbierung
der Leistungsfähigkeit bedeutet.
Die alte, von jedem Taucher gelernte Aussage, dass der Taucher 40%
der Wärme über den Kopf abgibt, wurde durch Berechnungen und Versuchsreihen
zumindest stark relativiert. Einig waren sich aber alle Anwesenden, dass
eine Kopfhaube auch in der Zukunft ein wichtiger Ausrüstungsbestandteil sein wird.
Dr. Berndt stellte eine Untersuchung von verschiedenen Neoprensorten vor.
Die Differenz zwischen gleich dicken Anzügen betrug bis zu 43%! Die neue
CE-Kennzeichnungspflicht dagegen ist für den Verbraucher eine
interessante Bezugsgröße, um die Isolierungsfähigkeit eines
Anzuges zu beurteilen.
Ganz nebenbei räumte Dr. Berndt, unter großem Interesse der Teilnehmer,
mit einigen Werbeaussagen der Industrie auf. Unter anderem ging es den Titan-Beschichtungen
ans Metall, die sich als Marketing-Gag entpuppten.
Peter Bredebusch stellte :
- Tauchen im Alter
vor. Es war ein Plädoyer an die Tauchschulen und Ausbilder, sich dem
Segment der über 60-Jährigen stärker zu widmen.
Es handelt sich hierbei nicht nur um eine attraktive Zielgruppe für Kurse und
Veranstaltungen, sondern sie bilden auch eine sehr stabile Mitgliedergruppe
innerhalb der Vereine. Jedoch muss eine dem Alter entsprechende Ausbildungsform
gefunden und umgesetzt werden. Hier stehen die Verbände noch am Anfang
und die Entwicklung bleibt abzuwarten.
Dr. C. Klingmann referierte über:
- Macht Tauchen wirklich Taub?
Spätestens bei den sehr informativen und anschaulichen Fotos und Filmsequenzen
aus dem Ohr waren alle Teilnehmer begeistert. Zusammenfassend kann gesagt
werden, dass nach der 1. Heidelberger Studie kein signifikanter Zusammenhang
dargestellt werden konnte. Eine 2. Studie ist in Vorbereitung, um weitere
Details genauer zu beleuchten.
Dr. Weslau stellte als Präsident der GTÜM
- die Leitlinien Tauchunfall
vor. Diese Leitlinien bieten eine allgemein anerkannte Richtschnur für
die Behandlung von Tauchunfällen. Sie können unter www.gtuem.org abgerufen
werden. Jeder engagierte Taucher sollte sich mit diesen Leitlinien eingehend
befassen.
Immer Ärger mit den Blasen
Eine Übersicht zur Dekompressionsphysiologie und zu den Dekompressionsmodellen.
Hans Rennings versprach, dass seinen Vortrag auch ohne höhere Mathematik
zu verstehen sei. Es folgte eine Einführung in die Mikroblasen- und
Deep-Stop-Theorie, mit praktischen Hinweisen zur deren Umsetzung.
Maike Münster wurde kurzfristig engagiert, um über:
- Apnoetauchen – aktuelle Aspekte
zu referieren, wobei sie aus Ihrer Erfahrung als Apnoe-TL und auch als ehemalige
Leistungssportlerin im Apnoetauchen sprechen konnte. Im Vordergrund stand
die Aussage, dass Apnoe-Tauchen eine Fun-Sportart und die Jagd nach Rekorden
im Breitensportangebot des VDST nicht verankert ist. So liegt für Freitauchtiefen
die Grenze beim VDST im Tieftauchen bei 25 Meter und ist weit entfernt von
derzeitigen Rekorden deutlich unterhalb von 100 Metern.
Eine gemeinsame Yoga-Atemübung, die sog. Yoga-Vollatmung, war eine willkommene
Abwechselung und verschaffte einen ersten Eindruck über die Wirkung von Entspannung
und Konzentration.
Party am Abend
Der zweite Tag begann bei schönem Wetter und guter Laune, nach der gelungenen
Party des Vorabends.
Erster Referent an diesem Tag war Dr. Hendrik Liedtke:
- Beinahe-Ertrinken
Durch einige Statistiken wurde belegt, wie groß die Zahl der Verunfallten
im Wasser weltweit ist:
z.B. 1990:
504.000 Personen Ertrunken
312.000 Personen gestorben durch HIV
502.000 Personen gestorben durch Kriegseinwirkung
2003 in Europa: 37.500 Tote durch Ertrinken
2003 in Deutschland: 644 Tote durch Ertrinken +50% innerhalb von
5 Jahren
Ertrinken ist die häufigste Todesursache von Kleinkindern unter 4 Jahre.
Diesen Zahlen folgten einige außerordentliche Beispiele, wie lange eine Reanimation sinnvoll sein kann. Der längste bekannte
Fall ist:
Körpertemperatur: 13,7°C
Zeit unter Wasser: 60 Minuten
Reanimationsdauer: 390 Minuten
Der Patient überlebte ohne gravierende neurologische Einschränkungen!
Hier gilt die Aussage:
Niemand ist tot, bis er warm und tot ist!
Nach diesen Grundaussagen folgten zwei weitere gelungene Beiträge zum
Thema Reanimation und Einsatz von AEDs.
Den Anfang machte Prof. Konrad Meyer, ein rheinländisches Original aus
Bonn mit dem Thema
Physiologische Grundlagen der Automatischen Externen Defibrillation
Nach einer Einführung über den Aufbau, Funktion und Störungen
des Herzens wurden Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsweisen von AEDs erläutert.
Wobei hier umfangreiche und plastische Filme zum Teil aus dem lebenden Herzen
erfolgten. Eine Filmsequenz zeigte ein Herz beim Kammerflimmern und einer
Defibrillation von innen mittels endoskopischer Aufnahme.
Prof Meyer (li.) mit Hanjo Roggenbach und einer
der vielen guten Geister dieser Veranstaltung
Sehr interessant waren einige Details zu möglichen Einsatzzahlen von AEDs
im Tauchsport. Ca. 25 % aller tödlichen Tauchunfälle gehen mit einem Herzstillstand
einher, davon haben ca. 80% ein Kammerflimmern. Da die Überlebungsrate
proportional abhängig ist von der Schnelligkeit, mit der defibrilliert
wird, ist eine flächendeckende Ausbildung an den Geräten - sowie eine
weite Verbreitung der Geräte ein wichtiges Ziel innerhalb des VDST.
Nun folgte eine Erläuterung der neuen ERC-Richtlinien zur Reanimation,
von Dr. Konrad Meyer:
- Die neue HLW
Die HLW wird gestartet mit 30 Thoraxkompessionen gefolgt von 2 Beatmungen.
Vorgestellt wurde die neue Richtlinie des ERC zum Thema HLW. Der neue
Algorithmus lautet 30:2 und nicht wie früher oft gelehrt 2:15. Auch wird von Laienhelfern
und Ersthelfern keine Pulskontrolle durchgeführt, da in Versuchen nachgewiesen werden konnte, das im Stressfall kaum ein Helfer innerhalb eines annehmbaren
Zeitfensters den Puls korrekt finden konnte.
Abschließend referierte ein Urgestein der deutschen Tauchmedizin, Dr.
Hanjo Roggenbach
über
- Die tauchsportärztliche Untersuchung
Ergänzt mit vielen Beispielen aus der Praxis wurden einige Grenzfälle
der Tauchtauglichkeit erläutert.
Nach der offiziellen Vortragsreihe gab es noch die Möglichkeit, an zwei geführten
Touren durch die Stadt teilzunehmen. Einmal einen Spaziergang durch die historische
Altstadt und zum anderen eine Spezialführung durch die „Kunst- und Naturalienkammer“
der Fraenkeschen Stiftung.
Dem Besucher wurde eine gelungene Veranstaltung mit hochkarätigen Vorträgen geboten. Auch im Jahr 2007 ist wieder eine Vortragsreihe geplant,
die wir dem interessierten Sporttaucher gerne empfehlen.
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kreta vom 14.08.2008 : wo gibt es schöne wraks oder tauchplätze auf ... [mehr] Docktor Fehmarn vom 09.08.2008 : Weiß jemand ob das Doktor vor der Basis Katharinenhof noch zu betauchen ist? Habe gehört, daß es im Winter/Frühjahr zerbrochen ... [mehr] Bikiniatoll Wracktauchen vom 07.08.2008 : Während des kalten Krieges wurden im Bikini Atoll Atomwaffentests durchgeführt. Unter anderem ein Deutscher Kreuzer, der US ... [mehr]
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