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Der große Bruder
Die größere der beiden Brother Islands ist recht flach, dabei
400 Meter lang und nur knapp 40 Meter breit. An ihrer Westseite steht, oberhalb
des Anlegesteges, ein rund 31 Meter hoher viktorianischer Leuchtturm, weithin
bekanntes Wahrzeichen der Insel.
Seit dem 11. September 1869 stieg die Zahl der Schiffe die durch das Rote
Meer fuhren, in Folge der Eröffnung des Suez-Kanals, innerhalb kürzester
Zeit sprunghaft an. Um deren Sicherheit auf dieser stark frequentierten Fahrtroute
zu erhöhen, wurden dann ab 1880 eine Reihe von Signalstationen im Roten
Meer eingerichtet, zu denen unter anderem auch der Leuchtturm von Big Brother
zählt.
Rund hundert Jahre später kamen dann noch solche Schiffe hinzu, denen
der Leuchtturm nicht als zu passierendes Signal galt, sondern als Zeichen
für das Ziel ihrer Reise: Die ersten „Safariboote“, die abenteuerhungrige
Taucher zu den in Europa bisher kaum bekannten Inseln brachten.
Waren es anfangs nur umgebaute Fischerboote, so wuchsen diese in den folgenden
Jahren sowohl in ihren Dimensionen wie auch im Komfortniveau rasant an - Schiffe
mit rund 40 Metern Länge und Goodies wie Aircondition, DVD und Jacuzzi
gelten heute eher als gängiger Standard denn als Ausnahme. (siehe Taucher.Net Safari-Ratgeber)
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Bei den meisten Tauchgängen bringt ein Zodiak (Schlauchboot) die sechs-
bis achtköpfige Tauchergruppe vom südlichen Ankerplatz der Safaribootes
aus in Richtung Norden. Dort angekommen und nachdem der Zodiakfahrer mit „three,
two, one - GO!“ das Signal gegeben hat, lassen sich die Taucher einfach nur
noch rückwärts fallen - im idealen Fall alle gleichzeitig und hoffentlich
nicht auf den Kopf des Tauchpartners.
Einmal abgetaucht, besticht das Wasser sofort durch seine sagenhafte Transparenz
um sich dann, nach unten blickend, zu einem immer intensiver werdenden Blau
zu verdichten. In vierzig bis hundert Metern Tiefe verläuft rund um die
Insel noch ein schmaler Vorsprung, an dessen Kante es dann bis auf 800 bis
1000 Meter Tiefe in den Abyss geht.
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Hier hat man bei jedem Tauchgang einfach immer zu wenig Augen und Zeit,
um alle Eindrücke vollständig in sich aufnehmen zu können:
Zwei große und wunderschön bewachsene Wracks - jedes davon alleine
schon mehrere Tauchgänge wert - buhlen zusammen mit zahlreichen
Fischschwärmen um die Aufmerksamkeit der Taucher. Prächtige Hart-
und Weichkorallen, stets umgeben von ebenso unzähligen wie farbenprächtigen
Riffbewohnern, ziehen weitere Blicke an sich. Zusätzlich gesellen sich
dazu häufig noch Napoleonfische von enormen Ausmaßen, große
Barrakudaschwärme, Schildkröten und Riffhaie - kein Vergleich zu
den küstennahen Riffen!
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Aber wie sieht es bei diesem Tauchgang mit den Hochseebewohnern aus, den
spektakulären Begegnungen mit pelagischen Räubern? Es gibt
sie sicher noch, wenn auch nicht mehr mit der vor einigen Jahren noch vorherrschenden
Selbstverständlichkeit!
Je nach Jahreszeit, Glück und Anzahl der Taucher kommen solche Begegnungen
mal häufiger, mal seltener vor - und manchmal, leider, auch überhaupt
nicht.
Sofern die aktuellen Strömungsbedingungen es erlauben, kann es sich
während des Tauchganges diesbezüglich lohnen, wenn man sich mal
ein Stück vom Riff hinweg ins Freiwasser begibt, ohne dabei jedoch den
Sichtkontakt zu diesem zu verlieren. Hier sind die Chancen oftmals noch besser,
den ein oder anderen Hochseejäger vor die Maske zu bekommen: Gelegentlich
erscheint dann, fast aus dem Nichts kommend, ein einzelner Hammerhai, nur
um kurz darauf schon wieder im unendlichen Blau zu verschwinden.
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Spätestens wenn man auf der Westseite der Insel von unten die Stützen
des alten Anlegesteges sieht, sollte man ein gutes Stück höher steigen
und sich, von der an dieser Stelle meist auch schwächeren Strömung,
langsam an der Steilwand entlang treiben lassen: Kleine Einschnitte und Höhlen
bieten überall Lebensraum für unzählige Tiere und stellen erstklassige
Motive für Fotografen dar!
Auch jetzt lohnt es sich immer mal wieder einen Blick hinaus ins Freiwasser
zu riskieren: Haie, selbst Fuchshaie, werden häufig hier am Südplateau
gesichtet. Oder man richtet die Augen kurz in Richtung der
Wasseroberfläche: Es wäre doch schade, wenn der Manta, vom Taucher
unbemerkt, gerade über diesem schwebt, während dieser schon die Einstiegsleiter
des Safaribootes im Auge hat.
Der beschriebene Tauchgang ist derjenige, der an Big Brother am häufigsten
durchgeführt wird: Knapp 90% aller gezählten Tauchgänge
starteten vom Zodiak aus. Davon wiederum ließen 56% die Taucher an die
Westseite der Insel ins Wasser, 35% an der Ostseite und nur knappe 9% begannen
am vordersten Ende des nördlichen Plateaus ihren Tauchgang.
Auf die Frage, warum die Tauchgänge prozentual so ungleichmäßig
ausfallen, antworteten die befragten Guides von 4 verschiedenen Schiffen alle
ähnlich:
„Die Nordspitze ist bei Strömung zu kritisch, da treibt es die einen
Taucher links und die anderen rechts an der Insel vorbei und der Zodiakfahrer
kann sich ja schlecht teilen, wenn er sie einsammeln muss“.
Die Westseite dagegen wird bevorzugt, weil „die Taucher da neben Korallen
und Fisch auch einen Abstecher zur AIDA machen können“, weil „die
Taucher auf der Westseite direkt auf die Schiffe zutauchen, die eher südwestlich
ankern“ oder weil „Anlegesteg und Ankerleinen gute Orientierungspunkte
für ungeguidete Taucher im Buddyteam sind“.
Mit anderen Worten: Der sicherlich sehr schöne Tauchgang wird auch
deshalb so oft vorgegeben, weil er mit den geringsten Risiken behaftet ist.
Das ist verständlich, gerade angesichts der Tatsache, wie stark die
durchschnittliche Erfahrung des Einzelnen seit der Zeit der „Fischerboote“
zurückgegangen ist. Tagelange Suchaktionen nach abgetriebenen Tauchern
sind auch keine Seltenheit, die Festlandküste ist im Fall des Falles
fast ebenso soweit entfernt wie die nächste Druckkammer.
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08.01.2009 10:16 Taucher Online : 161 Heute 4006, ges. 30939138 Besucher
 
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