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Der Buddycheck
Neulich beim Abtauchen: Karl der Trockentaucher fasst sich an die Brust - der Trockiinflator ist nicht angeschlossen.
Wild fuchtelnd fischt Karl nach dem Inflatorschlauch, zieht in vor und schließt ihn an. Eine Minute getaucht und schon ist der Stresslevel gestiegen - und damit der erste Schritt in den Incident Pit getan. Hätte das nicht vermieden werden können?
Ist ein Buddycheck sinnvoll?
Der Buddycheck ist ein Teil der Tauchvorbereitung, auf den viele Taucher verzichten. Gründe sind Bequemlichkeit (jetzt sind wir schon angerödelt, lasst uns einfach tauchen), die Abneigung andere an die eigene Ausrüstung zu lassen (an meinem Zeug fingert mir keiner rum!), grundsätzliche Ablehnung (es genügt, wenn ich selbst die Ausrüstung überprüfe) oder einfach Vergesslichkeit bzw. fahrlässige "Routine".
Ein Buddycheck ist jedoch ein integraler Bestandteil der Tauchvorbereitung und sollte nicht ausgelassen werden. Gründe für den Buddycheck sind:
- Sicherheit des Buddys
Vier Augen sehen mehr als zwei. Wenn man den ganzen Sommer nass taucht und im Herbst auf den Trocki umsteigt, kann man schon mal vergessen, den Trockiinflator anzustecken - beim Buddycheck sollte so etwas schnell auffallen.
- Eigene Sicherheit
Wenn man die Ausrüstung meines Buddys prüft, gibt das Sicherheit, dass bei ihm alles soweit in Ordnung ist. Damit kann man selbst entspannter tauchen.
- Stressvermeidung bei Zwischenfällen
Mit guter Planung kann man das Zwischenfallrisiko beträchtlich herabsetzen, aber ein Restrisiko bleibt immer. Dann ist es gut zu wissen, wo beim Buddy welche Teile der Ausrüstung sitzen (z.B. an welchem Abgang der Hauptautomat hängt) und wie diese funktionieren.
Ein verantwortungsvoller Tauchbuddy wird daher immer einen Buddycheck vorschlagen, bzw. diesem zustimmen.
Wo sollte der Buddycheck geschehen?
Bei vielen Tauchgelegenheiten, gerade im Inland, muss man zwischen dem Ort wo man das Tauchgerät anrödelt und dem Einstieg einige Entfernung zurücklegen. Oft sieht man dann, wie sich Tauchpartner am Auto checken, dann zum Wasser gehen, und abtauchen. Andere stehen bis zur Brust im Wasser beim Check. Beides ist suboptimal.
Idealerweise sollte man den Buddycheck direkt am Einstieg machen, entweder noch am Ufer oder im seichten Wasser (nicht mehr als knietief). Das hat folgende Vorteile:
- Ehe man vom Parkplatz/ Anrödelungsplatz aufbricht, sollte man schon einen Selbstcheck machen, u.a. um zu sehen, dass man nichts vergessen hat.
- Auf dem Weg zum Einstieg können sich durch die Erschütterung beim Laufen lockere Teile lösen oder die Bebänderung lockern. Dies kann dann beim Buddycheck am Ufer korregiert werden.
- Wenn man schon bis zur Brust im Wasser steht, kann man leicht wichtige Sachen übersehen, z.B. den Bleigurt. Deswegen sollte man maximal knietief im Wasser sein oder am Ufer stehen.
Wie sollte der Buddycheck ablaufen?
Der kluge Spruch
Den meisten Tauchern werden in den Anfangskursen Sprüche als Eselsbrücken beigebracht, damit sie sich die Reihenfolge der Bestandteile des Buddycheck merken können. Ein solcher Spruch wäre z.B.:
Taucher Brauchen Viel Saubere Luft
- Taucher => Tarierung
- Ist das Jacket ordnungsgemäß angelegt? Ist Inflator mit dem Inflatorschlauch verbunden? Funktionieren Inflator und alle Ablässe? Ist der Trockeninflatorschlauch angeschlossen (beim Trockentaucher)?
- Brauchen => Blei
- Hat der Taucher einen Bleigurt oder integrierte Bleitaschen? Liegt der Bleigurt richtigherum (Schnalle mit rechter Hand zu öffnen), kann er abgeworfen werden (keine Bebänderung darüber), ist eng genug und die Schnalle ordentlich zu? Sind die Bleitaschen gesichert, kommt man einfach an sie heran, um sie abzuwerfen?
- Viel => Ventile
- Sind die Flaschenventile offen?
- Saubere => Schnallen
- Sind alle Schnallen geschlossen und ist die Bebänderung festgezogen? Ist die Flaschenbefestigung samt Schnalle ordentlich angezogen?
- Luft => Luft
- Ist die Flasche gefüllt? Funktionieren die Automaten? Funktioniert das Finimeter?
Das Checksystem
Manche Taucher halten nicht so sehr viel von diesen Sprüchen, zum Teil weil sie sich auch Eselsbrücken nicht merken können, zum Teil weil sie es für nicht systematisch genug halten. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man es selbst anders gelernt hat und seitdem so anwendet:
Von unten nach oben - von vorne nach hinten!
Auf diese Weise werden alle Ausrüstungsteile systematisch überprüft und man kann nichts vergessen:
- Bleigurt
- Ist einer vorhanden?
- Wenn ja, sitzt er richtig, ist er eng genug und ist die Schnalle sauber geschlossen?
Von hier geht es zum ...
- Jacket
- Wenn kein Bleigurt, wo befinden sich die Bleitaschen, sind sie sicher verschlossen und wie werden sie im Notfall bedient?
- Ist die Bebänderung fest angezogen? Sind alle Schnallen ordentlich geschlossen? Liegt die Bebänderung über irgendwelchen Ausrüstungsteilen?
- Ist der Inflator angeschlossen und funktioniert er? Gibt es Schnellablässe, wo befinden sie sich und funktionieren sie?
Von hier geht es zur ...
- Luftversorgung
- Wieviele Automaten gibt es? Wenn es nur einer ist, wo befindet sich der Oktopuss? Ist der Oktopuss frei erreichbar? Bei zwei Automaten: an welchem Ventil liegt der Hauptautomat? Wo befindet sich der Zweitautomat und ist er frei zugänglich?
- Wo ist das Finimeter? Ist der angezeigte Druck hoch genug, hat der Taucher für den Tauchgang also genügend Luft?
- Funktionsprüfung der Automaten - geben alle Automaten gut Luft? Schwankt das Finimeter beim schnellen Atmen (=> Ventil nicht ganz offen, Reserve geschlossen ...)? Schmeckt die Luft seltsam (=> Verunreinigung beim Füllen durch angesaugte schlechte Luft, Mängel beim Kompressor ...)?
Von hier geht es zur ...
- Rückseite/Flasche
- Ist die Flasche ordentlich festgezurrt?
- Ist die Schlauchführung von den Ventilen weg sauber? Sind irgendwelche Schläuche geknickt?
Von hier geht es zum ... TAUCHEN
Wie ihr an dem systematischen Check oben seht, geht es beim Buddycheck auch sehr darum, sich selber mit der Ausrüstung des Buddys vertraut zu machen. Das ist eigentlich der wichtigste Grund für den Buddycheck. Deswegen sollte bei unbekannten Buddys der Check auch immer wirklich gündlich ausfallen und ihnen dabei auch ganz genau die eigene spezielle Ausrüstungskonfiguration erklärt werden.
Ob Ihr jetzt den Check anhand eines Spruches abarbeitet oder mit der vorne/unten/oben/hinten-Methode, ist dabei letztendlich egal. Wichtig ist vielmehr, dass Ihr es immer gleich macht, damit es sich als Routine bei Euch einprägt. Wenn Euer Buddy eine andere Routine hat, macht es auch nichts. Ihr macht es auf Eure Weise, er/sie auf seine/ihre - Hauptsache der Sinn der Übung wird erreicht.
© 2006 - Andreas Nowotny (Photos & Text)
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21.11.2008 12:53 Taucher Online : 172 Heute 6475, ges. 30091890 Besucher
 
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