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 Geschrieben von Harry

Portrait: Herbert Frei


Herbert Frei ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Unterwasserfotografen im deutschsprachigen Raum. Seit den 70er Jahren fotografiert er Unterwasser und wohl jeder Taucher wird seine Bilder kennen oder zumindest schon öfter gesehen haben. Grund genug also, den "Grandseigneur" der heimischen UW-Fotografie um ein Interview zu bitten.

Das Interview führte Harald Mathä

Herbert Frei - Interview - Taucher.Net
Hallo Herbert, kannst Du uns ein paar Angaben zu deiner Person geben?

Geb. 1945, Dipl.- Ing. verheiratet, zwei Töchter (die Jüngere, Martina, taucht und fotografiert unter Wasser); auf meinen Reisen assistiert mir meistens meine Frau Helma, die sehr oft die Zweit- bzw. Testkamera trägt und für Produktfotos als Model fungiert. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Ich brauche nur an das Übergepäck am Flughafen denken, das bei mir wegen der Testgeräte immer erschreckende Ausmaße annimmt...

Seit wann tauchst Du und welche Ausbildung hast Du gemacht?
Definitiv seit 1973. Tauchen hat mich anfangs so begeistert, dass ich beim ersten Tauchgang ohne Lungenautomat ins Wasser gesprungen bin und mich gewundert habe, dass ich nicht atmen konnte. Tauchprüfungen waren damals nicht so elementar wichtig. Man konnte tauchen oder nicht. Ich habe mir deshalb Zeit gelassen. Fotografieren war mir wichtiger. Bei meiner ersten Tauchprüfung 1977 (VDST-Bronze) hatte ich die UW-Kamera mit und habe zwischen den Prüfungsabnahmen Hechte fotografiert. Der damalige Prüfer hielt mich deshalb für einen hoffnungslosen Fall.
Jahre später habe ich einige PADI-Prüfungen gemacht und bin zudem UDI-Instruktor. Ausgebildet habe ich aber nie. Ich bedauere, dass es so viele unterschiedliche Tauchsportverbände gibt. Ein Einsteiger kann die Qualität der einzelnen Lehrpläne nicht beurteilen
Mittlerweile habe ich über 5000 Tauchgänge, ein Logbuch führe ich nur noch sporadisch. Primär tauche ich, um zu Fotografieren. Dekotauchgänge vermeide ich nach Möglichkeit. Vor einigen Jahren habe ich mich im Kernspin untersuchen lassen. Es wurden keine weißen Flecken im Hirn festgestellt. Daraus schließe ich, dass mir zumindest in dieser Hinsicht nicht allzu viele Fehler unterlaufen sind, obwohl ich beim Tauchen selbst auch schon kritische Situationen zu bestehen hatte.

Albino Sterlet - Interview Herbert Frei
Albino-Sterlet

Nitrox, Trimix, Rebreather?
Nitrox halte ich für das Atemgemisch der Zukunft. Es sollte aufgrund seines Sicherheitsaspektes überall ohne Aufpreis angeboten werden. Alle tauchenden Familienmitglieder haben auf meine Veranlassung den Nitrox-Schein gemacht. Wenn Nitrox angeboten wird, nehme ich es, weil ich beim Fotografieren klarer bin und auch nach 3 oder 4 Tauchgängern keine eklatanten Ermüdungserscheinungen verspüre.
Trimix würde ich gern mal tauchen. Es wäre mir aber von der Ausrüstung her gesehen auf Dauer zu kolossal, zu unhandlich und zu kompliziert. Außerdem: ich habe noch von keinem Trimix-Taucher berauschende Bilder jenseits der 100 m-Grenze gesehen. Die UW-Fotografie ist meine eigentliche Intension.
Rebrather-Tauchen macht in gewissen Situationen (Süßwasser, scheue Fische) durchaus Sinn... habe es auch schon gemacht, aber der Pflege- und Wartungsaufwand sind enorm. Wenn man das alles selbst machen muss (die Regeln schreiben das so vor), wird man gezwungen sein, das Fotografieren zurückzuschrauben oder das Mittagessen ausfallen zu lassen. Wenn ein zuverlässiger Tauchlehrer diese Arbeiten für mich erledigen würde, hätte Rebreather bei mir durchaus Chancen.

Wasserfrosch - Interview Herbert Frei
Wasserfrosch

Seit wann fotografierst Du Unterwasser?
Seit 1974; ich sah im Herbst 1973 beim Fachsimpeln im Tauchclub wie ein Mitglied das damalige "fotomagazin" mit einem Sonderbeitrag über die UW-Fotografie mitbrachte und darin blätterte. Dieses Heft habe ich mir gekrallt und auf dem Nachttisch deponiert. Nach 14 Tagen kannte ich den Inhalt auswendig. Mir war klar, dass ohne UW-Fotografie in meinem Leben nicht mehr viel gehen wird.
Dann plünderte ich mit Zustimmung meiner Frau ein Sparbuch, fuhr in die Schweiz nach Küsnacht zu Hugyfot, kaufte dort eine Miranda EE mit Wechselsucher (für die damalige Zeit eine Wunderkamera), 55 mm Makro und 28 mm Weitwinkel im Hugy-Royal-Gehäuse samt Birnchenblitz. Die Ausrüstung kostete mehr als 2 meiner damals bescheidenen Monatsgehälter. Aber ich war der glücklichste Mensch an diesem Tag. Weil das Geld für Fernreisen nicht vorhanden war und es damals auch nicht üblich war, auf den Malediven oder am Roten Meer seinen Jahresurlaub zu verbringen, wurde ich notgedrungen Süßwasserfotograf. Was ich heute noch mit Begeisterung bin.

Amur - Interview Herbert Frei
Amur

Welche Auszeichnungen/Preise haben Deine Bilder bisher bekommen?
An UW-Fotowettbewerben habe ich mich schon sehr früh beteiligt. Wie bei allen Wettbewerbsfotografen konnte ich auch bei mir eine leichte Eitelkeit feststellen. Das ist die eigentliche Triebfeder, sich an Fotomeisterschaften zu beteiligen. Wenn dieser Zustand keine psychischen Wellen schlägt, ist dagegen nichts einzuwenden. Kritisch wird es, wenn sich UW-Fotografen als Künstler bezeichnen, sich mental verändern und abheben. Beispiele gibt es genug.
Meine Preise (Medaillen, Urkunden, Anhänger) habe ich vor Jahren einem Tauchhistoriker geschenkt. Ich gewann UW-Fotowettbewerbe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als ich in den 80er Jahren anfing, die UW-Fotografie professionell und kommerziell zu betreiben, bin ich aus der Wettbewerbsneurotik ausgestiegen und habe meine besten Bilder verkauft. Das schien mir lohnender als Pokale in eine Ecke zu stellen.

Waller - Interview Herbert Frei
Waller mit dem zirkular Fisheye fotografiert

Welche davon freut Dich am meisten und warum?
Keine Medaille und keine Urkunde, sondern wenn die Leute sagen "Die Artikel vom Frei sind lehrreich, ehrlich und informativ. Da kann man was lernen!" Auch das Lob von Redakteuren aus der Angelbranche bestätigt meine Arbeit im Süßwasser. Als ich in den 80er-Jahren das Bild einer Hechthochzeit (Weibchen mit fünf Männchen) ablieferte, sagte der damalige Chefredakteur eines Sportfischermagazins: Wissen Sie eigentlich, dass Sie der erste Mensch auf diesem Planeten sind, der so eine Szene fotografiert hat? Man hat mir inzwischen auch bestätigt, dass es europaweit keinen UW-Fotografen gibt, der so viele UW-Aufnahmen aus dem Süßwasser und Titelbilder in und auf Angelmagazinen veröffentlicht hat. Das macht mich insofern etwas stolz, weil es zeigt, dass man wegen guter UW-Bilder nicht um die halbe Welt reisen muss. Insofern habe ich auf das richtige Pferd gesetzt.

Was ist Dein persönliches Lieblingsfoto?
Es ist eine Hechtaufnahme, die ich 1976 im Weitsee in Bayern gemacht habe. Viel Ahnung von der UW-Fotografie hatte ich damals nicht, wusste nur das Nötigste. Aber ich war ehrgeizig und ausdauernd. Als ich die Pflanzen auseinanderbog biss mich ein riesiger Hecht in den Handschuh... zur Strafe habe ich ihn fotografiert. Ein Zufallsbild, an dem alles stimmt. Ob der Blitz gezündet hat, weiß ich nicht mehr, vermutlich aber nicht. Der Fisch wird nur vom Umgebungslicht angeleuchtet, die Augen glühen wie Kohlen, die Szenerie ist unheimlich, mystisch und doch real.
Mit diesem Bild bin ich dann in die Wettbewerbe eingestiegen, das damalige Kultmagazin "Der Taucher" veröffentlichte das Foto in einem Süßwasserbeitrag, den ich verfasste. Dieses Bild sah auch der Chefredakteur des Angelmagazins "Der Blinker" (gibt es heute noch), wo es doppelseitig veröffentlicht wurde. In Folge erschien das Bild in einem holländischen Angelmagazin, im "tauchen" und in der Werbung. Ich hatte Blut geleckt und sah in der Süßwasserfotografie meine eigentliche Passion.

Glühkohlen Hecht - Interview Herbert Frei
Glühkohlen Hecht (gescanntes Dia von 1976!!)

Was machst Du noch außer Deiner Tätigkeit als UW-Fotograf?
Motorradfahren, Schifahren, Fitness (dreimal die Woche) und ich lese alles, was mir in die Finger kommt. Ohne Tageszeitung, Stern und Spiegel sowie die diversen Tauch-und Fotomagazine bin ich nur ein halber Mensch. Ich lebe nach dem Motto: Lesen ist so wichtig wie essen! Da ich von der UW-Fotografie aber nicht leben kann, verdiene ich meinen Lebensunterhalt immer noch als Dipl.-Ing..

Dein Buch "Digitale Unterwasserfotografie mit Kompaktkameras" haben wir den Besuchern von Taucher.Net erst kürzlich vorgestellt. Welche Bücher hast Du noch geschrieben?

Ingesamt 17 Stück. Ich will sie hier nicht alle aufzählen. Wer sich dafür interessiert sollte die Webseite www.unterwasserfotografie.de von Udo Kefrig und Claus-Peter Stoll anwählen. Eine offizielle Bestätigung vom "Guinness-book of Records " gibt es zwar nicht, aber Wolfgang Freihen, Deutschlands best sortierter Tauchliteratur-Sammler meinte einmal zu mir, dass es weltweit keinen gibt, der mehr UW-Fotobücher geschrieben hat wie ich. Wie gesagt, ein schöner Titel, aber ich weiß nicht, ob er zutrifft.
Reich kann man damit übrigens nicht werden. Taucher lesen zu wenig. Ich hatte mir deshalb schon überlegt ein Kinderbuch und einen Krimi zu schreiben. Aber vor lauter Testartikel und UW-Fotografie kam ich nie dazu. Fototechnik finde ich auch noch nach Jahrzehnten interessant und spannend.

Aquafitness - Interview Herbert Frei
Aquafitness im Pool

Sind weitere Bücher in Arbeit bzw. in Planung?
Als nächstes Buch wird "Digitale Unterwasserfotografie mit Spiegelreflexkameras" erscheinen. Weitere Projekte hinsichtlich der UW-Fotografie sind geplant. Ich darf darüber aber nicht sprechen, weil das der Verlag nicht will. Wenn es gut läuft, kann ich in den nächsten Jahren noch 3 Fotobücher über die Digitalfotografie veröffentlichen. Dann dürfte das Wichtigste abgedeckt sein.

Was sind die für Dich schönsten Tauchplätze in den heimischen Binnengewässern?
Sicherlich nicht der Samaranger- und der Fernsteinsee, wo jedes Astloch zwei Millionen mal abfotografiert worden ist und die UW-Fotografen außer guter Sicht nicht viel auf dem Chip haben.
Meine bevorzugten Binnengewässer liegen verborgen, abseits der Massenwanderungen. Insbesondere weit weg von Tauchgruppen, die An- und Abtauchen mit Familienausflügen, Lagerfeuer und Konfrontationen mit Bauern und Polizei verbinden. Ich habe nichts gegen Geselligkeit, muss diese aber beim Tauchen und insbesondere bei der UW-Fotografie nicht unbedingt haben.
Für ein gutes Binnengewässer fahre ich sehr weit. Bis nach Österreich und Italien. Früher habe ich interessante Binnengewässer für Taucher entdeckt und sie in Tauchmagazinen veröffentlicht. Das Resultat hat mich nur selten befriedigt, weil sich viele Taucher nicht an die ungeschriebene Regel halten: Verlasse den Tauchplatz so wie du ihn angetroffen hast!

Stichling Männchen - Interview Herbert Frei
Stichling Männchen

-dem Rest von Europa?
Es gibt einen See in den Abruzzen, der ist so klar, dass man meint, es wäre kein Wasser darin. Und in Norwegen habe ich in einem See getaucht, da standen die Seerosen 3 m hoch mit glutroten Stängeln und dazwischen flitzten Forellen umher. Auf Samoa tauchte ich in einem Urwaldsee. Sicht und Licht waren so irre, dass ich meinte, auf einem anderen Planeten zu sein. In diesem Gewässer entdeckte ich auch eine endemische Fischart und Süßwassergarnelen so groß wie kleine Hummer.

-im Mittelmeer?
Hinsichtlich der Artenvielfalt sind das die Islas Medas vor Estartit in Spanien. Mit die besten Sichtweiten und Unterwasserlandschaften habe ich in der Türkei gesehen.

Flussgrundel - Interview Herbert Frei
Flussgrundel

-im Roten Meer?
Früher waren das die Brother Islands. Aber da ist mittlerweile zu viel Rummel. Im Sudan kann man seinen Individualismus mehr ausleben. Sanganeb und Shab Rumi sind Klassiker, aber auch am Wrack der Blue Belt geht es zur Sache.

-im Indopazifik?

Ich will das etwas spezifizieren. Sipadan (Malaysia) ist ein Knaller wegen der Schildkröten und der stationären Schwarmfische. Lembeh (Indonesien) ist das beste für Makro. Sangihe-Talaut (Indonesien) hat das wärmste Wasser (30°) bei extremer Sicht (60 m) und einen Unterwasservulkan.

-und dem Rest der Welt?
Truk Lagoon in Mikronesien (Wracks); Bahamas (Tigerhaie); Guadeloupe (Weiße Haie); Cocos vor Costa Rica (Haie und andere Großfische). Diese Aufzählung sollte nicht verallgemeinert werden, weil sie persönliche Vorlieben und Erlebnisse beinhaltet.

Geisterkarpfen - Interview Herbert Frei
Geisterkarpfen

Das für Dich beeindruckendste Wrack?
Vermutlich die San Fransisco Maru in Mikronesien. Aber auch die Umbria vor Port Sudan hat mich sehr beeindruckt.

Dein "Lieblingsfisch"?
Schwierig zu sagen. Pygmäenseepferdchen finde ich faszinierend, aber auch Sandaale und Krötenfische haben ihren Reiz. Ganz oben stehen auch Haie und Mantas.

Ein Satz zu Moostierchen (Bryozoa)!
Die Natur ist der wahre Schöpfer bizarrer Lebewesen.

Mit welcher Ausrüstung fotografierst Du bevorzugt?

Bedingt durch meine Artikel und Tests habe ich ständig mehrere Fotogerätschaften im Einsatz. Im privaten Bereich fotografiere ich mit der Fuji Finepix S2Pro, weil an dieser D-SLR alle analogen Nikon-Blitzgeräte im TTL-Modus funktionieren. Daneben arbeite ich mit der Canon 5D und im analogen Bereich mit mehreren Nikonos RS, der Nikon F5 und der Canon 1N RS mit feststehendem Spiegel. Ab und zu auch noch mit der Minolta 9xi. Analog hat logischerweise Federn lassen müssen. Digital hat mittlerweile mit ca. 80% die Nase vorn, obwohl ich das Dia noch lange nicht abgeschrieben habe. Seine Farben, insbesondere die vom Fuji Velvia, sind digital noch nicht machbar.
Meine privaten UW-Gehäuse stammen von SeaCam, das Ringblitzgehäuse von UK-Germany.

Signalkrebs - Interview Herbert Frei
Signalkrebs

Welche/n Blitz/e verwendest Du bevorzugt?
Subtronic (Mini, Alpha Pro, Alpha) Seaflash (Mega) und Sea & Sea YS-300. Letztere sind bei mir schon seit ca. 15 Jahren ununterbrochen in Gebrauch, funktionieren immer noch und bestätigen in jedem Urlaub ihre Zuverlässigkeit. An den Subtronic-Minis schätze ich die kleinen geometrischen Abmessungen und den erstaunlich großen Ausleuchtwinkel. Ich blitze mit digitalen Spiegelreflexkameras von Nikon und Canon im Makrobereich vorzugsweise mit Systemblitzgeräten, weil sie ohne Kompromisse auf die komplizierte Blitzsteuerung abgestimmt sind und zumindest im Nahbereich perfekt und umkompliziert funktionieren. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang den Einsatz von Halogenlampen und LED-Leuchten. Zusammen mit einer hochwertigen D-SLR ist es eine erwähnenswerte Alternative im Nahbereich.

Was macht Deiner Meinung nach ein gutes UW-Bild aus?
Gehen wir davon aus, dass es korrekt belichtet und scharf ist, dann ist die Bildgestaltung mitbestimmend. Insbesondere eine gewagte Perspektive kann Stimmung verbreiten. Hier hapert es bei vielen knipsenden Urlaubsfotografen noch gewaltig.
Keine oder nur wenige Schwebeteilchen sind kein Kriterium für eine gute UW-Aufnahme. Es zeigt höchstens, dass der Fotograf den oder die Blitze korrekt gesetzt hat. Das Bild kann trotzdem langweilig sein.
Im emotionalen Bereich spielt für den Aha-Effekt auch eine Rolle, ob das Motiv 'abgelutscht' oder relativ unbekannt ist.

Gelbbrandkäfer - Interview Herbert Frei
Gelbbrandkäfer

Was sollte man auf jeden Fall beim Fotografieren vermeiden?
Dass zu viele Mittaucher um einen herum sind! Insbesondere auf Sandgrund. Denn dann versinken die besten Motive im Schwebeteilchen-Schnee.
Viele Leser werden jetzt erwartet haben, dass ich sage: Nichts anfassen und nicht hinknien! Das sage ich bewusst nicht. Wenn es die Situation erfordert und man es sich erlauben kann, ist Knien auf Korallenschrott oder auf einer Sandfläche ein taugliches Mittel, um gute Bilder zu machen. Auch vorsichtiges Anfassen geht, wenn man es geschickt macht. Ich empfehle allen UW-Fotografen ein ca. 50 cm langes Stahlstäbchen, mit dem man sich abstoßen und abstützen kann. Dann macht man so gut wie nichts kaputt.
UW-Fotografen sind nicht die wilden und ungehobelten Typen, für die sie immer gehalten werden. Die Meere werden durch Schleppnetze, Treibnetze, Dynamitfischen und Öleinbringung in Mitleidenschaft gezogen... nicht durch Taucher. Ich will noch ein Beispiel nennen. Als ich nach über 20 Jahren wieder im Sinai (Ras Mohammed) tauchen war, überraschte mich der unglaublich gute Zustand der Riffe. Seit meiner ersten Betauchung 1975 waren kaum Schäden feststellbar. Ich kann den tausenden Tauchern, die dort ihre Abstiege gemacht haben, nur meine Hochachtung und mein Kompliment aussprechen.

Seerosen - Interview Herbert Frei
Seerosen

Wie siehst Du die explosionsartige Entwicklung der UW-Fotografie durch die kleinen Digitalkameras?
Hochwertige UW-Fotografie ist damit nur schwer möglich. Man sieht sie deshalb auch nur vereinzelt bei Fotowettbewerben. Grundsätzlich ist es aber gut, dass heute mehr Taucher und Taucherinnen fotografieren als zur analogen Zeit. Wer fotografiert hat eine Aufgabe, bleibt dem Tauchsport eher treu als ein Mensch, der ziellos und gelangweilt im Riff umherschwimmt und nach einigen Jahren zum Drachenfliegen wechselt.
Die Digi-Knipsen verhindern allerdings, dass Taucher noch richtig fotografieren lernen, weil das Arbeiten mit Zeit und Blende oftmals nicht möglich ist. Programmautomatik, Auto-Blitz, ISO-Automatik... die Bilder werden im Rahmen der optischen und physikalischen Möglichkeiten nicht mal schlecht belichtet. Fotografieren kann man das aber nicht nennen. Es ist Knipsen auf hohem auf Niveau. Für Urlaubs- und Gelegenheitsfotografen ist das aber mehr als ausreichend. Die Meisten sind mit ihren Bildern zufrieden. Warum sollte man das ändern?

Welchen Tipp würdest Du Einsteigern in die UW-Fotografie ganz besonders ans Herz legen?
Qualität ist besser als Quantität. Lieber bei einem Tauchgang nur 30 oder 40 Bilder belichten, aber diese mit Überlegung gestalten, als 150 hektisch zu belichten und nichts ist davon zu gebrauchen. Zu den wichtigen Informationsquellen für Einsteiger zähle ich Fotokurse sowie Texte im Internet, in den Printmedien und besonders in entsprechenden Fotobüchern.

Koi - Interview Herbert Frei
Koi in einer Kiesgrube

Welche Eigenschaften schätzt Du an Tauchern/Buddies?
Am liebsten sind sie mir, wenn sie etwas Abstand halten. Und sie müssen eigenverantwortlich tauchen können. Ich gebe offen zu, dass ich mich als UW-Fotograf wenig um meinen Begleiter oder die Tauchpartnerin kümmern kann. Willkommen sind sie, wenn sie Motive suchen oder die Zweitkamera tragen. Dann zeige ich mich mit einer CD erkenntlich. Und zwar mit wirklich guten Bildern.

-und welche gar nicht?

Wenn er mich gängeln will und große Strecken abschwimmt. Hektik und übermäßige Mobilität passen nicht zur UW-Fotografie. Manche schlagen wegen jeder dämlichen Muräne wie die Bekloppten auf die Flasche. Sie meinen es ja gut, aber das muss nicht sein. In manchen Fotogruppen klingelt, klopft und rasselt es wie in der Geisterbahn.

Schuppenkarpfen - Interview Herbert Frei
Schuppenkarpfen in einem Fluss

Welchen Lungenautomat benutzt Du bevorzugt?
Einen über 15 Jahre alten Oceanic-Omega. Er geht immer. Auch unter Eis. Ein bis zweimal im Jahr kommt er zur Revision.

Welche Persönlichkeit aus der Tauchgeschichte beeindruckt Dich am meisten?
An erster Stelle steht Hans Hass. Er ist der eigentliche Tauchpionier für uns Sporttaucher. Im Prinzip ist er sogar der Initiator und geistige Vater der UW-Fotografie und des UW-Films. Trotz eines Louis Boutan, der nachweislich die erste UW-Aufnahme machte. Die taucherischen und wissenschaftlichen Verdienste von Hans Hass bezüglich des Tauchsports und der Unterwasserwelt sind einmalig.
Bewunderung empfinde ich auch für den Entwickler der Nikonos, den belgischen Flugingenieur de Wouters. Ihn kennen nur wenige, aber er hat den Aufschwung der UW-Fotografie maßgebend beeinflusst. Vergessen wir auch nicht Dimitri Rebikoff. Seine Torpille war der erste amphibische Elektronenblitz.
In Deutschland haben zwei Männer in den 60er Jahren die UW-Fotografie nach vorne gebracht. Es waren Ludwig Sillner und Peter Kopp. Beide starben gemeinsam 1972 bei einem Autounfall auf der Autobahn bei Würzburg. Die Bilder von Peter Kopp , der damals mit einer Hasselblad fotografierte, waren so gut, dass sie noch heute in jeden UW-Fotowettbewerb mitmischen könnten. Sillner war der Theoretiker und Buchautor, Kopp der Künstler und Praktiker.

Modellstudie - Interview Herbert Frei
Modelstudie im Hallenbad

Was war der beeindruckendste Tauchgang für Dich?
Es war mein erster Tauchgang im Roten Meer und damit gleichzeitig mein erster im Meer überhaupt. Was ich dort gesehen habe, hat mich mein Leben lang geprägt. Wir fuhren 1973 mit dem VW-Bus nach Aquaba/Jordanien. Das Geld war knapp, eine Taucherhose hatten wir nicht, nur eine Jacke. Flaschen und Automaten waren geliehen. Wir haben sie gefüllt mitgenommen. Ahnung von der Unterwasserwelt hatten wir keine, wussten nur, dass Rotfeuerfische giftig waren. Gegen Haie band ich mir ein Tauchermesser um den Oberschenkel, das große Ähnlichkeit mit einem Schwert hatte. Mit unserem kärglichen Basiswissen gingen wir tauchen. Und es war wunderschön. Warmes Wasser, schillernde Fische und Korallen. Ich musste das eines Tages fotografieren.

Schleie - Interview Herbert Frei
Schleie in einem Waldsee

Wo sind Deiner Meinung nach die Grenzen des normalen Sporttauchens?
Die Grenzen sind immer dann erreicht, wenn Physis und Psyche ein Limit erreichen bzw. die Ausrüstung den Anforderungen nicht gewachsen ist. Man kann unter besonderen Umständen schon mal einen 60 m Tauchgang auch mit Luft machen, muss sich aber darauf vorbereiten und spätestens in 50m Tiefe seinen Zustand checken. Jenseits der 50 m, das muss man wissen, trifft jeden der Tiefenrausch. Es ist nur eine Frage der Grundzeit. Mehr als 2 bis 3 Minuten sind nicht zu empfehlen. Das reicht für einige Bilder, dann sollte man sich verabschieden.
Extreme Tauchgänge, wozu auch Tauchen bei starker Strömung zählt, sollte man nicht in abgelegenen Gegenden zelebrieren. Dazu gehört auch Tauchen während eines tropischen Regens mit nur wenigen Metern Sicht. Wer der Sache misstraut, sollte den Tauchgang ausfallen lassen. Vorsicht ist keine Feigheit und Tollkühnheit kein Mut. Sporttaucher ohne entsprechende Ausbildung sollten unbedingt die Finger vom Höhlentauchen lassen. Ebenso ist das Suchen und Bergen von Leichen und versunkenen Gegenständen eine Sache von Spezialisten. Hobbytaucher sind da überfordert.

Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?

Wenn ich die richtigen Gesprächspartner habe, politisiere ich gern. Gesellschaftliche und soziale Fragen beschäftigen mich durchaus. Gerechtigkeit und Chancengleichheit gehen mir über alles.
Natürlich tauche ich in meiner Freizeit regelmäßig in heimischen Gewässern. Ich brauche Seen und Kiesgruben für meine Tests. Schließlich kann ich nicht wegen jeder neuen Vorsatzlinse auf die Malediven fliegen.

Wo machst Du am liebsten Urlaub?

Nordsulawesi in Indonesien. Ob man das, was ich dort so veranstalte wirklich Urlaub nennen kann, bezweifle ich aber. Meine Frau hätte es gern mal etwas ruhiger.

Ochsenfrosch Kaulquappe - Interview Herbert Frei
Ochsenfrosch Kaulquappe

Gibt es für Dich noch ein Traumreiseziel?
Sogar sehr viele. Ich bin zwar weit gereist, aber Lücken gibt es noch zur Genüge! Z. B. Galapagos und Malpelo, Island, Clipperton-Island, tauchen mit Blauhaien und Makos, Auge in Auge mit einem Potwal.

Wo würdest Du am liebsten leben?
Kanada wäre mein Traumland. Weil ich es aber nicht kenne, fühle ich mich in Deutschland sehr wohl. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht mal für ein Jahr verabschieden könnte.

Welches Buch liest Du gerade?

Haie im Mittelmeer (Kosmos-Verlag), Lexikon der populären Irrtümer (unglaublich, mit was man Leute verdummen kann, wenn einer vom anderen abschreibt ohne nachzudenken) und das Buch "Digitale Unterwasserfotografie" von Reimund Hübner. Ein interessantes Nachschlagewerk, ganz anders als meines. Mehr theoretisch, viel Physik und Mathematik. Im Prinzip müsste man den Leuten empfehlen, beide zu kaufen.

Rotauge mit Fotografin - Interview Herbert Frei
Rotauge und UW-Fotografin

Welche Musik hörst Du gerne?
Jedenfalls keine deutschen Volkslieder. Auch schwere Klassik und Rappen sind nicht mein Ding. Kuschel-Rock, Hipp-Hopp...weiß der Teufel, wie das Zeug heißt. Da müsste ich meine Tochter fragen... Ich höre gerne Lieder oder Musik mit einprägsamer Melodie.

Der für Dich beste Unterwasserfilm?

Ich glaube kaum dass ihn die Leser kennen werden. Er heißt "Die Korallengärten von Shadwan". Gedreht wurde er in den frühen 70er Jahren von den Fleißner-Brüdern. Die haben in Ägypten sogar das UW-Gehäuse gießen lassen. Kein spektakulärer Film, aber ein Streifen, der das Rote Meer so zeigt wie es früher war. Ohne Tauchschiffe, ohne Basen, ohne Ökoneurotiker, ohne Massentourismus.
Aus dem Süßwasser schätze ich die Filme von Dr. Walter Sigl. Beispielsweise "Wo der Waller wohnt".

Waller - Interview Herbert Frei
Waller in der Sonne

Welche Seite im www besuchst Du am häufigsten?
Von meinem Naturell her und auch aufgrund meines Alters bin ich kein ausgewiesener Net-Freak. Ich benutze das Internet als Informationsplattform. Zwangsläufig besuche ich www.unterwasserwelt.de recht häufig, weil ich dafür regelmäßig schreibe. Im Forum von www.uw-pix.net diskutiere ich manchmal mit, wenn die Fragen Sinn machen. In Taucher.Net lese ich ab und zu Kommentare zur UW-Fotografie, Tauchreisen und Buchvorstellungen.

Ich danke Dir für das Interview!

Die Bilder im Interview stammen absichtlich ausschliesslich aus dem Süsswasser und Pool, da Herbert Frei im Grunde genommen immer noch ein ausgewiesener Süßwasserfotograf ist!

Nützliche Links

Digitale UW-Fotografie mit Kompaktkameras
Interview Wolfgang Pölzer
Interview Dos Winkel


© 2006 by Harald Mathä
© Bilder by Herbert Frei (mit freundlicher Genehmigung)




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Wracktauchers Paradies. Die Solomonen. Taucht ein in Olis Solomonen-Wrackführer. Dort gibt es Wracks in Hülle und Fülle, und auch zu der Historie der untergegangenen Schiffe ist jede Menge zu lesen. Tauch ein in die Solomonen


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