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Versenkung!
Die Waffenstillstandsverhandlungen verliefen schon seit Monaten zäh, ergebnislos
und unter für Deutschland sehr demütigenden Umständen.
Die vereinbarte Auslauffrist für die Waffenstillstandsverhandlung
rückte immer näher.
Über die Verhandlungen wurde sogar der Führer der Hochseeflotte, Admiral
von Reuters im Dunklen gelassen. Seine einzige Informationsquelle waren
vier bis fünf Tage alte Zeitungen. Je näher der Tag des Ablaufens
der Frist der Waffenstillstandsverhandlungen kam, desto unruhiger wurde
man. Getreu dem Eid waren die Offiziere für Mensch und Material verantwortlich.
Sollten also die Verhandlungen ohne Ergebnis verlaufen und so die Frist
verstreichen mußte mit einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen gerechnet
werden. Da die Schiffe ohne Munition waren, wurde ein Plan ausgearbeitet
und am 17. Juni 1919 allen Kommandanten mitgeteilt, nach dem die Flotte
sich auf Kommando selbst versenken sollte.
Am 21 Juni 1919 sah Admiral von Reuter seine Chance: Zum erstenmal
seit der Internierung lief die britische Flotte zu Manövern aus und
hinterließ nur schwache Bewachungskräfte. In Unwissenheit der
Tatsache, daß die Frist für die Waffenstillstandsverhandlungen
bis zum 23. Juni verlängert worden war, gab er um 11.20 Uhr per Semaphor
und Flaggensignal von seinem Flaggschiff -nunmehr der Emden- das Auslösesignal:
"Paragraph 11, bestätigen". Die eingeteilten Matrosen und Offiziere
eilten auf ihre Stationen. Kurze Zeit später erging der Ausführungsbefehl:
"Zustand Z - Versenken. "Hierauf wurden Seeventile geöffnet, Nieten
aus Schottwänden geschlagen und Rohre, Ventile und Kondensatoren beschädigt
. Anschließend wurden dann Schlüssel, Handräder und die Eintrittsventile
der Kondensatoren über Bord geworfen.
Die kaiserliche Hochseeflotte und einstiger Stolz des Deutschen Kaiserreichs
sank!

Die britischen Bewacher wuden zurückgerufen und versuchen zu retten
an Material, was zu retten ging. Sie versuchten die Schiffe zu entern und
eventuell geöffnete Seeventile zu schließen. Jedoch waren die
angerichteten Schäden zu oft nicht mehr zu beheben und ein weiteres
Sinken war nicht zu verhindern. Bei dem Versuch die Schiffe zu übernehmen
wurden in der Folge 9 Seeleute erschossen, einer davon war der Kapitän
der SMS Markgraf.
Einzig erfolgreiches Mittel das Sinken zu verhindern war das auf-Strand-setzen
der Schiffe. Dies gelang den Engländern mit dem Schlachtschiff SMS
Baden , den vier Leichten Kreuzern SMS Emden, SMS Frankfurt, SMS
Nürnberg, SMS Bremse und drei Zerstörern.
Der Rest der Schiffe war ganz oder teilweise versunken.
Der Zorn der Engländer richtete sich gegen die deutschen Seeleute. Man
hatte sich schon die Idee zu weit zu eigen gemacht, daß die Schiffe
als Kriegsbeute eigentlich schon so gut wie der eigenen Marine gehören
würden und war nun erzürnt. Die deutschen Seeleute wurden unsanft
aus dem Wasser gefischt, einige tätlich angegriffen und ausgeraubt
oder sogar erschossen.
Auch hier haben wir rund um die damaligen Ereignisse zeitgenössische
Zeitungsartikel bereitstehen zur näheren Lektüre. Auch hier bitte
beachten, daß sich in diesen Artikeln der Zeitgeist wiederspiegelt.
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