(C) 2001 Oliver Meise
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U.S. Naval Historical Center Photograph
Am 17. Oktober 1888 wurde auf der Marinewerft in New York -dem "New
York Navy Yard"- der Kiel für ein 96,99m langes Schiff gestreckt,
dessen Schicksal eng mit dem Geschick vieler Menschen und einiger Nationalstaaten
verbunden ist : Die USS Maine.
Bevor wir aber zu jenen bedeutenden Umwälzungen kommen -und vor
allem den Taucher interessierenden Tauchplatz- noch einiges mehr zum 17,39m
breiten Schiff selbst, da dies das Verstehen der Geschichte erleichtert.
Bei der USS Maine handelte es sich um ein 7.180ts- Schlachtschiff
zweiten Ranges der Texas-Klasse das am 18. November 1889 vom Stapel lief.
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Nach weiteren Komplettierungsarbeiten und weiteren sechs Jahren Bauzeit
stellte es dann am 17. September 1895 unter dem Kommando von Kapitän
Sigsbee mit einer 374-köpfigen Mannschaft in Dienst.

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In jener Zeit folgten gravierende Revolutionen im Schiffsbau aufgrund
der industriellen Revolution relativ schnell aufeinander. Der Sprung von
einer Marine mit Segelschiffen zu einer Marine mit Eisenschiffen oder moderneren
Geschützen und leistungsfähigen Antriebsmaschinen war auch während
des Baues der USS Maine in vollem Gang, so daß sie bei ihrer
Fertigstellung im Prinzip schon wieder veraltet war.
Bei der Planung dieses Schiffes im Jahre 1883 dachte man nämlich
noch nicht an ein modernes Schiff,sondern wollte Schiffseinheiten wzB.
der brasilianischen Riachuelo und Aquidaban Paroli bieten
können.Deshalb wurde in Form eines Kreuzers eine quasi größere
Aquidaban
angedacht - ein Dreimastschiff,das seinen Antrieb zu 2/3 per Segel gewinnen
sollte. Mit Fortschreiten des Baues wurden aber schon Änderungen mit
eingebaut,so daß es dann auch sein endgültiges Aussehen erhielt
und als Schlachtschiff klassifiziert wurde.

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Die USS Maine war dann auch ein mit 896ts Kohle betriebenes Dampfschiff
ohne Segel.Die acht Scotch-Kessel ergaben 120-155 psi Druck und wirkten
auf eine vertikale Dreifachexpansions- Dampfmaschine bzw. zwei Schrauben.
Dies ergab eine Maschinenleistung von 9.293 IPS bzw. eine Maximalgeschwindigkeit
von 16,45 Knoten.
Da die USS Maine jetzt ein Schlachtschiff war, war es natürlich
auch gepanzert. Diese Panzerung aus Harvey&Nickel-Stahl war an der
Seite bis zu 30,5cm , an Deck bis zu 7,6cm und and den Geschütztürmen
bzw. -bettungen bis zu 30,5cm stark.Schließlich war auch noch der
Beobachtungsturm mit bis zu 25,4cm Stahl gepanzert. Die USS Maine
war also ein ziemlich dick gepanzertes Schlachtroß. Hinzu kam dann
natürlich auch noch die schwere Bewaffnung.Hier hatte man die Hauptartillerie
noch nicht in Mittellinie stehen,sondern in einer Mittschiffsposition:
Ein Doppelturm mit 25,4cm/30 cal Mk1 BLR- Geschützen war nach vorne
ausgerichtet,ein weiterer nach hinten. Die Sekundärartillerie bestand
aus sechs 15,2cm/40 cal Mk3-Einzelgeschützen.Hiervon befanden sich
zwei Mittschiffs,zwei in Kasematten am Bug und zwei auf dem Oberdeck am
Heck.
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Hinzu kamen noch sieben 5,7cm/40 cal Mk1 Hotchkiss-Geschütze und
vier Gatling-MG`s, sowie vier 45,7cm-Torpedorohre in Deckssätzen.
Somit war die USS Maine nicht nur eingepanzertes Schlachtroß,sondern
verfügte auch über einige scharfe Zähne!
Diese Zähne sollten aber nie zum Einsatz kommen. Die Ereignisse,
die zur schicksalhaften Beteiligung der USS Maine führten,
begannen mit Aufständen auf der Insel Kuba. Kuba gehörte damals
noch zu Spanien-genauso wie zB. die Phillipinen und die Insel Guam. Insgesamt
war das Königreich Spanien ein Reich, in dem die Sonne niemals unterging,
besaß es doch schon seit den Zeiten der Seefahrer und Schatzgaleonen
ein weltumspannendes Riesenreich. Ganz anders dagegen die USA.Hier hatte
man keine Kolonien bzw. war man mal selbst eine Kolonie der Briten gewesen.
So nimmt es auch nicht Wunder, daß man den Aufständischen in
Kuba sehr zugetan war und ihnen verdeckt sogar Unterstützung gewährte.
Während dieser ersten aufständischen Phase auf Kuba in den Jahren
1868 bis 1878 kam es dazu, daß ein Schiff -die Virginius-
für die Aufständischen mir Waffen an Bord abgefangen wurde.An
Bord befanden sich auch amerikanische Staatsbürger.Alle wurden exekutiert.
Dies nahm natürlich die amerikanische Öffentlichkeit weiter
gegen die Spanier ein.Nach 1878 trat jedoch eine Periode der Ruhe ein -bis
zum Jahre 1895.Erneut flammten Unruhen aus.Die Spanier entsandten General
Valeriano Weyler y Nicolau.Dieser griff mit harter Hand durch und siedelte
die Bewohner der Unruheprovinzen in die Nähe von Militäreinrichtugen
um,wo man sie besser unter Kontrolle hatte. Hierbei sollen ca. 100.000
Kubaner umgekommen sein. Dies stachelte die US-Presse weiterhin gegen die
Spanier an. Im Januar 1898 kam es erneut zu Ausschreitungen, woraufhin
die USA zum Schutze von US-Bürgern die USS Maine in Abstimmung
mit spanischen Stellen entsandte.
Diese kam dann am 25. Januar 1898 in Kuba an und ankerte im Hafen von
Havana.
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Der Kapitän der USS Maine -Captain Sigsbee- und die offiziellen
amerikanischen Emissäre wurden höflich empfangen und die Situation
entspannte sich.
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Spanischerseits äußerte man Interesse an weiteren Besuchen
von US-Schiffen.
Nach knapp drei Wochen Liegezeit im Hafen von Havanna passierte dann
aber DAS Ereignis:
Um 9.40 Uhr morgens am 15. Februar 1898 flog das vordere Drittel des
Schiffs in die Luft!
Hier starben 260 Mannschaftsmitglieder auf der Stelle,sechs später
an den Folgen ihrer Verletzungen.
Untersuchungen ergaben,daß die vordere Munitionslast der schweren
Schiffsartillerie explodiert war.
Man vermutete dahinter, daß die Munition durch eine Mine gezündet
wurde.Eine eingesetzte US-Untersuchungskommission die aufgrund fehlender
technischer Möglichkeiten das Wrack nicht weiter untersuchen konnte,kam
zum Schluß,daß tatsächlich eine Mine explodiert wäre.
Nun ging alles relativ schnell: Die US-Presse verurteilte Spanien, der
Urheber der Mine zu sein.
Spanien versteifte seine Haltung gegenüber den Aufständischen,
was die US-Presse zu weiterem Rauschen im Blätterwald veranlaßte,
US-Präsident McKinley fragte den Kongress am 11. April um Interventionserlaubnis
und die US-Marine startete am 21. April die Seeblockade von Kuba.
Der Spanisch-Amerikanische Krieg war entbrannt!
Interessant ist zu bemerken,daß Spanien zu diesem Zeitpunkt im
Besitz von Kuba, den Phillipinen und Guam war. Alles Territorien,an denen
auch die USA ein Interesse hatte.
Bleibt festzustellen,daß diese Territorien nach dem Spanisch-Amerikanischen
Krieg SÄMTLICH in Händen der USA waren. Guam ist dies übrigens
heute noch.
Eine weitere interessante Feststellung in diesem Zusammenhang ist weiter,
daß Folgeuntersuchungen am Wrack der USS Maine 1911 und durch
weitere Forschungen 1972 ergaben, daß eine Mine als Ursache nicht
belegbar ist.
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Untersuchungen lassen sogar den Schluß zu, daß eine Kohlenstaubexplosion
im benachbarten Kohlenbunker das Munitionsmagazin der USS Maine
zur Explosion gebracht hatte!
Ein Schelm, der übles dabei denkt!
Nach fast 14 Jahren wurde die USS Maine am 13. Februar 1912 in
der Nähe der Hafenzufahrt gehoben.Was nicht gehoben wurde, war der
Bug. Im Gegensatz zum Wrack selbst waren die Überbleibsel vom Bug
nicht so groß,daß sie den Hafenbetrieb störten.

Library of Congress, Prints and Photographs Division,
Detroit Publishing Company Collection
Der Bug wurde von dem Bergungsteam der US-Navy in einem per Kofferdamm
trockengelegten Areal abgeschnitten und alle Rumpföffnungen vorne
mit Holzverschalungen verschlossen.
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Anschließend wurde Wasser in das vom Kofferdamm umgebene Areal
geleitet,so daß das Schiff wieder aufschwamm. Nach Abbau des Kofferdamms
und intensiven Untersuchungen wurde die USS Maine am 16. März
1912 ca. drei Seemeilen in die offene See geschleppt und durch das öffnen
der Seeventile mit militärischen Ehren versenkt.
Im Oktober 2000 wurde die USS Maine wiederentdeckt: Ein Team
von amerikanischen, kanadischen und kubanischen Wissenschaftlern der Advanced
Digital Communications führte vor der kubanischen Küste Ortungsexperimente
mit einem ROV durch,als in ca. 700 m Tiefe ein Wrack entdeckt wurde, daß
dann auch als USS Maine identifiziert werden konnte. Nach Filmaufnahmen
liegt es mit seiner Backbordseite auf sandigem Meeresgrund und ist augrund
der Kälte und des hohen Salzgehalts in Wasser sehr gut erhalten.Gut
zu erkennen sind die charakteristischen Umrisse des Schiffs,seine Schrauben,das
Heck, diverse Luken und das Schleppgeschirr und natürlich die Tatsache,daß
kein Bug mehr vorhanden ist.
Für alle interessierten Wrackräuber: Das Wrack steht immer
noch im Eigentum der USA. Entsprechende Strafen sind also zu gegenwärtigen,wenn
man sich hier ein Wrackteil aneignen möchte. Für uns Sporttaucher
gilt das natürlich besonders in bezug auf die Bugsektion die immer
noch in der Nähe der Hafeneinfahrt von Havanna liegt. Führt man
sich vor Augen,daß im Bug die Mannschaftsquartiere für ca. 260
Seeleute befanden,dürfte noch das ein oder andere vorhanden sein.
Allerdings wird man wohl im Falle das man beim Plündern geschnappt
wird dafür beten,daß man in ein US-Gefängnis kommt,denn
wer möchte schon ein kubanisches Gefängnis von Innen kennenlernen?
Daß speziell der Tauchplatz "Bug der USS Maine" einmal attraktiver
Tauchplatz werden könnte liegt nicht im Bereich des unmöglichen
schaut man sich einmal die Entwicklung des Tauchsports in Kuba an.
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