© 2001 Oliver Meise
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U.S. Naval Historical Center Photograph NH 88738
Die ersten Arbeiten an diesem 111,8m langen Schiff erfolgten im Januar
1889 bei seiner Kiellegung in der Werft "Sociedad Astilleros del
Nervión de Sestao" mit Hilfe von Brown/Sheffield (GB). Nachdem der
19,81m breite Rumpf einigermaßen fertig war, wurde er am 10. April
1891 unter dem Namen Almirante Oquendo vom Stapel gelassen und dann
bis 1893 fertiggestellt. Der Namenspatron war hier der Admiral Don Antonio
de Oquendo (1577-1640), unter dessen Kommando die spanische Flotte 1633
bei Pernambuco einen großen Erfolg gegen die Niederländer errang.
Das 6.890ts-Schiff Almirante Oquendo selbst war eine typische Vertreterin
ihrer Zeit: Noch war der heute übliche Kriegsschiffbau nicht bekannt.Dies
sollte erst ab 1905 mit der HMS Dreadnought geschehen. Die Almirante
Oquendo war so eine Art nach herkömmlicher Tradition gebautes
Segelschiff, in das einige der inzwischen duch die Industrialisierung errungenen
Fortschritte versucht wurde zu integrieren. Die Schiffsklasse der man die
Almirante
Oquendo damals zuordnete, war die der sogenannten Geschützten
Kreuzer. Die zwei Masten an Bord dienten schon nicht mehr der Betakelung
und dem Gebrauch von Segeln -den Antrieb übernahm bei diesem Schiff
eine 13.700 PS leistende Vertikal-Dreifachexpansionsdampfmaschine. Über
zwei Schrauben konnte diese eine Maximalgeschwindigkeit von 20 Knoten erreichen
oder auch eine Reichweite von 9.700 Seemeilen bei einer Reisegeschwindigkeit
von 10 Knoten und einem Verbrauch von 1.050ts Kohle. Ein weiterer Ausdruck
dieser Übergangsphase in der Schiffsbautechnik ist die Vielzahl an
verschiedenen Geschützarten an Bord.Hier wollte man wohl einiges erproben:
Neben zwei modernen 28cm Hontoria-Geschützen waren noch zwei 14cm
Hontoria-Schnellfeuergeschütze und acht 5,7cm Hotchkiss-Geschütze
an Bord.Um das Arsenal abzurunden befanden sich dann noch acht 3,7cm Hotchkiss-Revolverkanonen
und zwei 2,2cm Nordenfelt MG`s an Bord,sowie noch zwei 7,5cm-Bronzegeschütze
für Landungsoperationen und acht 36,5 cm-Torpedorohre. Um gegen den
Gegner gerüstet zu sein, war die Seitenpanzerung bis zu 30,5cm dick,die
Turmpanzerung bis zu 22,9cm und die Deckspanzerung bis zu 7,6cm dick. All
dies wurde bewohnt und bedient von 497 Mannschaften und Offizieren und
stand unter dem Kommando von Kapitän Juan Lazaga.
Nachdem die Almirante Oquendo voll ausgerüstet war und schon
ein paar Jahre Dienst auf dem Buckel hatte, wurde sie dem Kap Verden-Geschwader
(Viscaya,Infanta Maria Teresa,Christobal Colon,Pluton,Furor,Terror)
von Admiral Pascual Cervera y Topete beigeordnet und lag mit diesem vor
den Kapverdischen Inseln.
U.S. Naval Historical Center Photograph
U.S. Naval Historical Center Photograph
Kurze Zeit später passierte jedoch etwas grundlegendes: Am 15.
Februar 1898 explodierte vor Kuba aus bisher unbekannter Ursache ein US-Kriegsschiff-
die USS Maine.Kuba gehörte damals zu Spanien -genauso wie die
Phillipinen und auch die Insel Guam. In den USA sah man in der Explosion
einen kriegerischen Akt Spaniens und es kam zum Spanisch-Amerikanischen
Krieg.
Entgegen besseren stragtegischen Wissens,bekam Admiral Cervera den
Befehl mit dem Kap Verden- Geschwader nach Kuba zu dampfen. Mit diesem
versegelte im Frühjahr 1898 dann auch die -trotz dringender notwendiger
Überholarbeiten am Schiffsrumpf in See gehende- nur noch ca. 12 Knoten
schnelle Almirante Oquendo nach Kuba.Hier angekommen,warf das Geschwader
Anker im Hafen von Santiago.Im Zuge der Kriegshandlungen zwischen Spanien
und den USA fand eine Seeblockade Kubas statt durch die Geschwader von
Admiral Sampson und Commodore Schley. Die Almirante Oquendo befand
sich zusammen mit dem ganzen Kap Verden-Geschwader quasi als Gefangene
im Hafen von Santiago. Die USA beschränkten sich nach einer gewissen
Zeit nicht mehr auf eine bloße Seeblockade,sondern gingen auch mit
Truppen an Land-ganz in der Nähe vom Hafen von Santiago.
Hierbei entstand kurzzeitig eine militärische Situation, in der
das spanische Geschwader in die Hände der US-Landstreitkräfte
hätte fallen können.Um dies abzuwenden, befahl der militäische
Oberkommandierende von Kuba -General Ramon Blanco y Erenas- den Ausbruch
des Geschwaders aus dem Hafen.So unternahm die spanische Flotte am 3. Juli
1898 um 9.35 Uhr morgens einen Vorstoß aus der Mündung der Bucht
vor dem Hafen von Santiago. Das spanische Führungsschiff erkannte
im Westen eine breite Lücke in der Absperrkette der US-Bewacher: Erst
kurz zuvor liefen von hier die Kreuzer New Orleans und Newark
mit dem Tender Suwanee zum Kohlebunkern nach Guantanamo und das
Schlachtschiff Massachusetts mit einem Admiral zu einer Stabsbesprechung.Mit
Höchstgeschwindigkeit wurde so mit Westkurs entlang der Küste
durch die Lücke gestoßen. Das sich hierbei entwickelnde Verfolgungsgefecht
wurde als "Seeschlacht von Santiago" bekannt.
Während dieser Seeschlacht wurde die Almirante Oquendo
als vierter auslaufender Kreuzer schnell von gut sitzenden Salven des amerikanischen
Schlachtschiffs USS Iowa in Brand gesetzt. Wahrscheinlich weil sie
den US- Schiffen am nahesten war,bekam sie am meisten Treffer ab: Insgesamt
erhielt sie von der USS Iowa dreiundvierzig 5,7cm-Treffer, von anderen
Schiffen drei 20,3cm-Treffer, einen 15,2cm-Treffer,einen 12,7cm-Treffer
und neun 10,2cm-Treffer. Hierbei verwandelte sich das Schiff in ein Schlachthaus
in dem fast kein Besatzungsmitglied mit dem Leben davonkam.Nachdem zunächst
Treffer alle Oberdecksmatrosen getötet hatten,die Kessel explodierten,
Teile des Munitionsbestandes in die Luft geflogen waren und die eigene
schwere Artillerie durch Direkttreffer vernichtet war, gab der sterbende
Kommandant den Befehl die letzten Torpedos zu schießen und dann das
brennende Schiff auf den Strand zu setzen. Dies geschah dann auch prompt
um 10.30 Uhr morgens bei Juan Corzales. Hier blieb die Almirante Oquendo
zunächst als rauchende Hulk liegen,brannte aus und brach später
entzwei und sackte immer tiefer ins flache Wasser.

Library of Congress, Prints and Photographs Division,
Detroit Publishing Company Collection
Zeitgenössische Photos zeigen entlang der ganzen Küste Rauchsäulen
von den in Brand geschossenen und auf Strand gesetzten Schiffen der spanischen
Flotte.Im folgenden Photo sieht man die Küste mit einer Rauchsäule
links -hier brennt die Almirante Oquendo- und einer Rauchsäule rechts-hier
brennt die Infanta Maria Teresa. Beide sind ca. 1,5km voneinander
entfernt.
Library of Congress, Prints and Photographs Division,
Detroit Publishing Company Collection
Heute findet man das Wrack der Almirante Oquendo nur 700m von
der kubanischen Küste und 12,6km von Santiago entfernt.
Teile hiervon kann man noch teilweise über Wasser sehen: Eins der
28cm Hontoria-Geschütze lugt aus dem Wasser. Hiervon ausgehend kann
man hier wie schon Jaques Cousteau seine Tauchgänge starten. Im großen
und ganzen ist der Zustand des Wracks annehmbar, berücksichtigt man
mal,daß es schon über 100 Jahre hier im Salzwasser liegt. Die
Hauptbauelemente und einige Details sind noch erkennbar und bieten einiges
zum schauen. Da wäre natürlich zunächst der Rumpf mit dem
großen Geschütz, weiter noch die Kessel und andere Schiffsabteilungen.
Ein anderes Geschütz der Almirante Oquendo - eine 14cm Hontoria-Schnellfeuerkanone
- steht heute im Park des Städtchens Palmyra des US-Bundesstaates
New York.Dies ist nämlich die Heimatstadt des den US-Blockadeverband
führenden Admirals William Sampson.
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